Fan-Erlebnis und Umsatz

Beflockung am Spieltag im Fanshop: vier Stunden, eine Presse, zwei Bestellwege

Samstag, 13.20 Uhr, zwölf Fans vor dem Tresen und eine Presse: ein Nachmittag Beflockung am Spieltag im Fanshop, und was drei Klubs daran ändern.

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Samstag, 13.20 Uhr. Der Fanshop an der Arena hat seit gut einer Stunde offen. An der Presse steht Jonas, vor seinem Tresen stehen zwölf Leute. Einer hält ein Trikot aus der Vorsaison im Arm, einer zeigt auf dem Handy eine Abholbestellung, einer will einen Spruch auf dem Rücken, den es auf keiner Liste gibt. Anpfiff ist um 15.30 Uhr.

Jonas weiß, was das heißt. Was bis zum Anpfiff nicht durch die Presse geht, geht heute gar nicht mehr durch.

Jonas ist erfunden, sein Nachmittag nicht. Die Vereine beschreiben ihn selbst, auf ihren eigenen Seiten: Öffnungszeiten, Prüfregeln, Lieferfristen, sogar den Vorrat an Buchstaben. Legt man diese Angaben nebeneinander, entsteht ein ziemlich genaues Bild von diesem Tresen.

Der Tresen ist eine kleine Fertigung mit vier Stunden Zeit. Wir bleiben den Nachmittag über bei Jonas und schauen danach, was drei Klubs an genau dieser Stelle geändert haben. Es beginnt mit der Uhr.

Die Uhr läuft vom Anpfiff rückwärts

Jonas hat keinen normalen Arbeitstag. Wann sein Tresen offen ist, entscheidet der Spielplan. Vier Vereine schreiben das ziemlich unterschiedlich auf.

Verein und Standort Öffnung am Heimspieltag Quelle
FC Augsburg, Fanshop WWK ARENA Sa/So: "3,5 Stunden vor Anpfiff bis 15 Minuten vor Stadionöffnung und Stadionöffnung bis 1,5 Stunden nach Abpfiff" fcaugsburg.de
VfL Wolfsburg, Fanshop Volkswagen Arena "ab 3,5 Stunden vor Anpfiff bis ca. eine Stunde nach Spielende", während des Spiels geschlossen shop.vfl-wolfsburg.de
FC St. Gallen, Store Berit Sitterstadion "Heimspiel: ab 2 Stunden vor Anpfiff" fcsg.ch
Hamburger SV, Fanshop Stadion "An Heimspieltagen öffnen wir erst mit Stadionöffnung (Zugang nur mit einem gültigen Ticket)." shop.hsv.de

Augsburg, Wolfsburg und St. Gallen zählen vom Anpfiff rückwärts. Wolfsburg macht während des Spiels zu. Beim HSV liegt der Tresen sogar hinter der Zugangskontrolle: Wer dort am Heimspieltag einen Flock will, braucht ein Ticket für dieses Spiel.

Wann Schluss ist, sagen nur zwei der vier. Wolfsburg schließt rund eine Stunde nach Spielende, Augsburg anderthalb Stunden danach, und Augsburgs Wochenendzeile hat mittendrin noch eine Pause.

Jonas hat also keinen Ladenschluss. Er hat ein Spiel. In der Stunde vor dem Anpfiff steht das halbe Stadion neben seinem Tresen, und die Frage ist nur: Wie viele davon wollen etwas auf dem Rücken?

Dynamo: fast jedes zweite Trikot mit Flock

Eine seltene Antwort kommt aus Dresden. Im August 2021 hat Dynamo Dresden auf der eigenen Vereinsseite beschrieben, wie es im Fanshop läuft: "Der Trikotdruck erfolgt beim Kauf im Dynamo-Fanshop an der Lennéstraße 12 direkt vor Ort."

Im selben Beitrag über die beliebtesten Flocks stehen Zahlen, die sonst kaum ein Verein herausgibt: "Und so gehen mit 44 Prozent fast die Hälfte aller im Dynamo-Fanshop verkauften Trikots mit einem Rückenflock über den Ladentisch." Von diesen veredelten Trikots waren 42 Prozent individuell bedruckt. Dahinter folgten „der zwölfte Mann“ mit 7,89 Prozent und Christoph Daferner mit 6,10 Prozent.

Die häufigste Wahl war also kein Spieler, sondern ein eigener Text. Zusammen lagen die freien Texte fast beim Siebenfachen des meistgewählten Spielernamens.

Ein Klub, eine Saison, fünf Jahre alt: Ein Branchenwert ist das nicht. Für Jonas' Schlange taugt es trotzdem als Größenordnung. Läuft es bei ihm ähnlich, will fast jeder Zweite einen Flock, und viele davon wollen etwas, das auf keiner Liste steht.

Drucken darf Jonas trotzdem noch nicht. Vorher muss er etwas anderes klären.

Drei Fragen, bevor die Presse zugeht

Beim Mann mit dem Vorjahrestrikot fängt Jonas nicht beim Namen an. Er schaut sich zuerst das Trikot an, denn mehrere Klubs legen genau fest, was sie überhaupt nachträglich beflocken.

Der 1. FSV Mainz 05 nennt in seinem Servicecenter zwei Bedingungen: "Bitte beachte, dass dein Trikot nur im neuen oder frisch gewaschenen Zustand beflockt werden kann." Und: "Beflockt werden ausschließlich Originaltrikots des 1. FSV Mainz 05, die nicht älter als die Saison 2020/21 sind."

Eintracht Frankfurt regelt in seinen Flockhinweisen auch, woher das Material kommt: "Nachträgliche Beflockungen sind nur mit Flocks möglich, die direkt vor Ort im Fanshop erworben werden."

Alter, Zustand, Herkunft. Jonas prüft alle drei in ein paar Sekunden, während elf Leute warten. Kein Online-Bestellformular stellt diese Fragen, denn sie stellen sich nur dort, wo die Presse steht.

Welche Regeln Fanshops überhaupt veröffentlichen, haben wir in der Bestandsaufnahme von 66 Fanshops Shop für Shop nachgelesen. Eine Grenze steht allerdings in keiner dieser Regeln. Sie steht im Schrank hinter Jonas.

Der Schrank und das Handy

Wie viele Buchstaben noch da sind, ändert sich an diesem Nachmittag stündlich. Der FC Augsburg schreibt das offen in die FAQ zum eigenen Sondertrikot: Nachträglich veredeln lassen kann man es in zwei Fanshops, "solange ausreichend Flocks vorhanden sind".

Das klingt nach einem Servicehinweis. In Wahrheit ist es eine harte Grenze, und sie gilt je Farbkonzept. Für das Sondertrikot können die Buchstaben mitten am Nachmittag ausgehen, während für das Heimtrikot noch alles im Schrank liegt.

Dann ist da noch das Handy. Neben der Schlange läuft ein zweiter Strom: Online-Bestellungen, die im Shop abgeholt werden. Ein Fan hat seinen Auftrag zu Hause getippt, ein Kollege von Jonas tippt gerade den nächsten in die Kasse. Beide brauchen dieselben Buchstaben aus demselben Schrank, und oft stehen die beiden Aufträge in zwei verschiedenen Systemen.

Zusammengeführt wird das an genau einer Stelle: bei Jonas an der Presse.

Das klingt nach einem Problem ohne Lösung. Drei Klubs zeigen, dass es trotzdem Hebel gibt, und keiner von ihnen hat dafür den Tresen abgeschafft.

Gladbach holte die Presse aus dem Kassenbereich

In Mönchengladbach stand die Presse bis 2018 mitten im Kassenbereich. Beim Umbau des FohlenShops im BORUSSIA-PARK bekam der Flockbereich einen eigenen Platz. Ein Regionalportal berichtete am 3. Dezember 2018 darüber und zitierte Andreas Schumacher, damals Abteilungsleiter Merchandising: "Dadurch erhoffen wir uns mehr Bewegungsfreiheit an den Spieltagen, weniger Gedränge und Wartezeit im Kassenbereich."

Dazu kam etwas, das man sich an Jonas' Tresen sofort vorstellen kann: "Auf drei Monitoren, die sich im Shop verteilt befinden, können die Fans zudem den Bearbeitungsstatus ihrer Beflockung verfolgen."

Drei Statusmonitore in einem Fanshop. Ehrlicher lässt sich ein Beflockungstresen kaum beschreiben: eine kleine Fertigung mit Warteraum. Jede Bestellung hat einen Zustand, und irgendjemand in der Schlange will ihn wissen. Gladbach hat diesen Zustand sichtbar gemacht und den Engpass räumlich vom Verkauf getrennt.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Der Bericht ist von 2018 und sagt nichts darüber, wie der FohlenShop heute eingerichtet ist. Und die Lösung braucht Fläche. Ein kleiner Shop mit einer Kasse kann den Engpass nicht verschieben, nur takten. Fläche hat nicht jeder Klub, eine Zahl auf der eigenen Seite schon.

Frankfurt sagt die Wartezeit vorher

Die häufigste Frage an Jonas' Tresen lautet: Wann ist es fertig? Online kommt dieselbe Frage als Mail.

Eintracht Frankfurt beantwortet sie, bevor jemand bestellt. Der Preis ist im Laden derselbe wie online: "Die Preise für Flocks entsprechen dabei den Preisen im Online-Shop." Die Uhr ist es nicht. Auf derselben Seite steht, dass sich die Lieferzeit bei einer Spielernamen-Beflockung um etwa 2 bis 4 Werktage verlängert. Bei individuell beflockten Trikots kommen etwa 4 bis 6 Werktage dazu.

So steht die Zahl vor der Bestellung und nicht hinter der Enttäuschung. Wer den freien Text wählt, weiß vorher, dass er länger wartet als der Rest seines Warenkorbs.

Werder Bremen setzt denselben Hinweis an die Abholung im Shop. Zur Versandart "Selbstabholung bzw. Fan-Welt" schreibt der Klub auf seiner Seite zur Fan-Welt: "Bei Bestellungen, die Trikots mit Spieler- ODER individueller Beflockung enthalten, ist die Bearbeitungszeit des Flockvorganges zu berücksichtigen."

Auch hier gibt es eine Grenze. Eine veröffentlichte Frist ordnet die Erwartung, nicht die Schlange. Um 13.20 Uhr steht der Fan mit dem freien Text trotzdem hinter elf anderen. Und ob überhaupt gedruckt wird, entscheidet am Ende der Schrank.

Augsburg stellt den Schrank vor die Bestellung

Der Vorrat an Buchstaben ist die einzige Grenze, die sich stündlich ändert. Kein Bestellsystem legt Buchstaben nach. Ein System, das den Schrank nicht kennt, nimmt einfach weiter Aufträge an, und der Rückstau landet in derselben Stunde bei Jonas.

Der FC Augsburg geht das mit einfachen Mitteln an. Der Klub empfiehlt, vorher telefonisch nach der Verfügbarkeit zu fragen. Und er begrenzte den Kauf zunächst auf drei Trikots pro Bestellung.

Das ist eine Bestandsprüfung mit den Mitteln eines Fanshops: ein Telefon und jemand, der in den Schrank schaut. Die Mengengrenze sorgt dafür, dass derselbe Vorrat für mehr Käufer reicht. Und der Fan erfährt die Grenze vor der Fahrt ins Stadion, nicht erst vor der Presse.

Verlässlich ist das nicht. Ein Anruf am Freitag sagt wenig über den Samstagnachmittag, und weil die Grenze je Farbkonzept gilt, gilt das Telefonat streng genommen auch nur für ein Trikot. Die Grenze erklärt übrigens auch einen Teil davon, warum das freie Namensfeld ausgerechnet beim Sondertrikot abgeschaltet ist.

Am Ende des Nachmittags bleibt eine Frage, die keiner der drei Klubs beantwortet.

Nach dem Anpfiff bleibt eine Quittung

Um 15.30 Uhr sind die zwölf aus Jonas' Schlange im Stadion. Die Presse kühlt ab. An diesem Nachmittag hat Jonas alles gleichzeitig entschieden: ob ein Name gedruckt wird, ob das Trikot dafür zulässig ist, ob die Buchstaben reichen und ob es vor dem Abpfiff fertig wird.

Drei Klubs haben je eine dieser Entscheidungen aus der Stunde vor dem Anpfiff geholt:

  • Gladbach über den Raum. Das braucht Fläche, die nicht jeder Shop hat.
  • Frankfurt über die Zeit. Eine veröffentlichte Frist ordnet die Erwartung, nicht die Schlange.
  • Augsburg über die Menge. Ein Anruf am Freitag gilt nicht für den Samstagnachmittag.

Automatisiert hat keiner von ihnen die Entscheidung. Und am Ende bleibt oft eine Quittung und sonst nichts.

Eine Woche später ruft jemand an und fragt, was genau bestellt war. Dann ist das Trikot selbst der verlässlichste Beleg im Haus. Was das im Streitfall bedeutet, steht in Falsch beflockt: Wer kann zeigen, was bestellt wurde?

Vier Stunden, eine Presse, zwei Bestellwege. Und mittendrin Jonas.


Bei der Online-Bestellung schreibt kit.ink die Personalisierung im Moment des Warenkorbs fest: Trikot, Beschriftung, Größe und die verwendeten Bilder und Schriften. Danach ändert sich daran nichts mehr.

Wer den eigenen Weg zwischen Shop und Presse einmal durchsprechen will: ein kurzes, unverbindliches Gespräch über den eigenen Ablauf ist der richtige Anfang.

Alle zitierten Vereinsseiten haben wir am 6. August 2026 abgerufen.